Auf dieser Seite wird ausgewählte Literatur zum Thema “Daten-Strafrecht” vorgestellt, die mir besonders gut gefallen hat. Da es das Rechtsgebiet “Daten-Strafrecht” als solches noch nicht ausdrücklich gibt, sind es natürlich immer übergreifende Werke, die ich hier nur vorstellen kann. Sollten Sie ein Rezensionsexemplar zur Besprechung hier zur Verfügung stellen wollen, finden Sie im Impressum nähere Informationen.
Vorgestellt werden auf dieser Seite bisher:
- Andreas Leupold / Silke Glossner, IT-Recht (Münchener Anwalts-Handbuch)
- Dieter Dörr / Rolf Schwartmann, Medienrecht, 2. Auflage
- Jens Petersen, Medienrecht, 4. Auflage
- Funk / Cole / Keber, Europäisches und internationales Medienrecht
Andreas Leupold / Silke Glossner, IT-Recht (Münchener Anwalts-Handbuch), 1. Auflage (Preis: 98 Euro)
Das Buch wendet sich – das macht schon der Name der Reihe klar – an Praktiker. Leupold und Glossner sind dabei die Herausgeber (die auch selber Kapitel geschrieben haben), insgesamt aber sind 14 Autoren an dem Buch beteiligt. Das merkt man im Schreibstil nicht, es ist also insgesamt durchgehend zu lesen bzw. als Einarbeitung zu nutzen. Keinesfalls hat man das Gefühl eines Stückwerks.
Inhaltlich ist das Buch in 8 Teile gegliedert, die das gesamte Spektrum abdecken:
- Gestaltung von IT-Verträgen
- Recht des elektronischen Geschäftsverkehrs
- Grundzüge des Immaterialgüterrechts im Bereich IT
- Recht des Datenschutzes und der IT-Sicherheit
- Internationale Bezüge (IT-Recht inkl. IPR)
- TK-Recht
- Öffentliche Vergabe von Leistungen
- Besonderheiten von Strafrecht und Strafprozessrecht
Man merkt also: Ein sehr breit gefächertes Spektrum. Auf dem Umschlagstext findet man den Hinweis, dass die Materie nicht nur umfassend dargestellt wird, sondern auch konzentriert – das Buch kommt mit guten 400 Seiten aus. Angesichts der Fülle an Informationen muss das also entweder sehr konzentriert sein, oder zu kurz gegriffen – ich tendiere zu ersterem: Es ist nicht nur inhaltlich raumgreifend, sondern zwar konzentriert dargestellt, aber eben nicht lückenhaft. Das Buch wird dem eigenen Anspruch gerecht, für Praktiker auf dem Gebiet des IT-Rechts ein Handbuch zu bieten, das einen schnellen Weg zu den gewünschten Themen bietet.
Als Handbuch ist es ideal, ein klein wenig Kritik gibt es bei den Literatur-Verweisen: Jedes konzentrierte Werk muss an den wichtigen Stellen die passenden Hinweise zur Vertiefung bieten. Das tut dieses Buch zwar, doch merkt man deutlich, ob ein Professor (etwa Kühling oder Wiebe) ein Kapitel verfasst hat oder ein Praktiker (wie etwa Stögmüller) – in ersterem Fall gibt es sehr viele, in letzerem eher weniger Verweise. Abgeholfen wird in jedem Fall mit einer Fülle an Literaturverweisen zu Beginn der Kapitel, was aber mitunter (wenn man nur einen Stichpunkt vertiefen muss) dann doch nicht so hilfreich ist.
Alles in allem, trotz der kleinen Kritik, ist es ein herausragendes Buch dass auf den Schreibtisch eines jeden juristischen Praktikers im Bereich IT-Recht gehört. Fazit: Rundum gelungen.
Dieter Dörr / Rolf Schwartmann, Medienrecht, 2. Auflage (Preis: 18 EURO)
Das Buch von Dörr/Schwartmann stammt aus der Reihe “Start ins Rechtsgebiet” und so muss man es denn wohl auch verstehen: Inhaltlich ein erster Start, ein “Kennenlernen” mit gutem (aber nicht detailliertem) Überblick. Alles in allem ein sehr schönes Buch, das gerade für Neulinge (die noch unsicher sind) ein echter Tipp ist.
Ich habe den Eindruck, dass (neben Internationalem- und Wirtschaftsrecht) das “Medienrecht” zunehmend beliebter wird – auch und vor allem als Schwerpunktbereich bei Studenten. Das Problem ist aber durchaus, dass man vorher nicht unbedingt weiß, was einen erwartet. Gerne verwechselt man das Internet-Vertragsrecht oder Markenrecht mit dem (weiten Spektrum” des Medienrechts.
Soweit ich das dem Vorwort entnehmen kann, sind die beiden Autoren nicht nur Praktiker, sondern haben sich von Anwälten zum Thema beraten lassen. Entsprechend ist das Werk dann auch ausgerichtet: Weniger rechtsdogmatrische Lehre, als vielmehr griffiger Einstieg mit Konzentration auf das Wesentliche. Ich finde, sehr gelungen und wirklich griffig geschrieben. Dabei gliedert sich das Buch in die folgenden Teile:
1. Einführung
2. Medienrecht im Grundgesetz
3. Medienrecht nach medialen Erscheinungsformen
1. Presserecht
2. Rundfunkrecht
3. Filmrecht
4. Recht der Telemedien
5. Telekommunikationsrecht
4. Allgemeines Persönlichkeitsrecht
5. Übergreifende Regelungen (u.a.: Datenschutz, Wettbewerbsrecht, Jugendschutz, Urheberrecht)
6. Völker- und Europarechtliche Dimension
Das Buch selbst kommt mit 174 Seiten bei weniger als 100 Fußnoten aus – das sollte in Sachen Kompaktheit alles sagen. Dabei darf man es aber nicht als Oberflächlich abtun: Es ist eben ein Einstieg. Und wenn man es ernsthaft liest, wird man schon einige Zeit brauchen. jedenfalls mehr als es beim ersten Blick den Anschein hat.
Enthalten sind einige Übungsfragen und Beispiele, die durchaus helfen, das gelesene zu verbildlichen bzw. zu wiederholen.
An manchen Punkten geht es dann doch zu schnell, was aber das typische Problem solcher Darstellungen sind: So werden Nicht-Technik-Erfahrene im Glossar nach dem Lesen von “HTTP” hinterher verwirrter sein als vorher. Oder sich fragen, was SDSL ist, wo doch ADSL erwähnt wird. Das soll aber keine tiefgehende Kritik sein, sondern ist – wie schon geschrieben – das typische Problm solcher Glossars: Sie sind immer irgendwie zu kurz und irgendwo findet man immer was, was (vermeintlich) fehlt. Insgesamt ist es positiv festzuhalten, dass darauf Rücksicht genommen wird, dass auch Nicht-Techniker solche Bücher lesen werden und daher Verständnisprobleme auf der technischen Ebene vorprogrammiert sind.
Fazit
Das Buch ist kurz, eine gelungene Einleitung – aber nicht mehr. Es ist zum Kennenlernen des Gebietes, zum gehen Erster (gedanklicher) Schritte ein herausragendes und gelungenes Buch. Wer sich überlegt, das Medienrecht als Schwerpunkt zu wählen und nur ganz grob weiss, was ihn da erwartet, findet hier ein Buch das für ihn absolut perfekt ist. Ich möchte sogar nachdrücklich empfehlen, sich anhand dieses Buches einen Einstieg zu erarbeiten.
Es ist daher keine Kritik, sondern nur konsequent wenn ich dann noch festhalte, dass es natürlich kein Lehrbuch ist. Über den Einstieg hinaus – also im Bereich der Vertiefung – verliert es seinen Charme. Bei einem Buch aus einer Reihe mit dem Titel “Start ins Rechtsgebiet” ist das aber das höchste Lob, das man geben kann: Die Autoren halten sich an ihre eigene Vorgabe, und das sehr sauber. Wenn die Autoren daher im Vorwort davon sprechen, das das Buch mit “Mut zur Lücke” geschrieben wurde, sollte man das nicht in den falschen Hals bekommen und ausnahmslos positiv verstehen.
Jens Petersen, Medienrecht, 4. Auflage (Preis: 24 Euro)
Ein Kurz-Lehrbuch und das heißt: Man braucht etwas länger um es zu lesen. Dafür wird man aber auch belohnt – mit hoher Aktualität zum Beispiel.
Petersen hat z.B. ein Kapitel zum Grundrecht auf “Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme”. Daran merkt man, dass das Buch auf dem aktuellen Stand ist. Die Tatsache, dass er mehr als einen Absatz schreibt, zeigt zudem, dass sich Petersen mit dem Thema auch beschäftigt hat – dabei fehlen ihm leider einige kritische Standpunkte, die aber (das muss man anerkennen) grossteils nach dem Juli 2008 (Datum des Vorworts) zu dieser Entscheidung publik wurden.
Der Schreibstil von Petersen ist sehr verständlich, das Schriftbild ist leider (wie bei dieser Reihe üblich) mitunter sehr anstrengend – man wünscht sich hin und wieder einen Absatz mehr. Dennoch kann man das Buch gut und problemlos durcharbeiten.
Es gibt sehr häufig Verweise über Fußnoten, was den Lehrbuchcharakter des Buches unterstreicht, aber nicht zu anspruchsvoll ist: Die Verweise sind gut ausgewählt, auf Schwerpunkte konzentriert und betreffen sehr viele Urteile die als Belege sehr nützlich sind. Dabei kann das Buch problemlos ohne Nachschlagen der Verweise durchgearbeitet werden, erst zur Vertiefung spielen sie eine Rolle.
Das Buch ist inhaltlich in die verschiedenen Anknüpfungspunkte des Medienrechts aufgegliedert, Petersen hat sich für die Folgende Gliederung entschieden:
1.Grundlagen
2.Bürgerliches Medienrecht
3.Medienwirtschaftsrecht
4.Öffentliches Medienrecht
5.Medienstrafrecht
In den Grundlagen wird auf kürzestem Raum ein sehr gelungener Überblick und Einstieg in das Thema gegeben, die restlichen Kapitel bieten umfassende Informationen.
Fazit
Das Buch ist sehr umfassend und überzeugend geschrieben. Wer sich in das Medienrecht einarbeiten möchte, hat hier ein sehr gutes Buch – für den leichten und schnellen Einstieg ist es aber nicht geeignet. Wer einen Grundriss sucht, ist hier falsch – allenfalls der erste Teil vermag einen Überblick zu geben.
Aufgrund des Schriftbildes ist es sicherlich auch mal anstrengend hiermit zu arbeiten, der Leser wird aber mit verständlichen Erläuterungen und dogmatisch anspruchsvollen Darlegungen belohnt. Für das tiefere Verständnis des Medienrechts ein ausgezeichnetes Handbuch.
Funk / Cole / Keber, Europäisches und internationales Medienrecht (Preis: 25 Euro)
Das Buch zum europäischen und internationalen Medienrecht ist auf jeden Fall interessant und die Autoren, drei an der Zahl, stellen zu Recht im Vorwort fest, dass es kein anderes Lehrbuch dieser Art bisher gibt. Ich werte es allerdings nicht als Nachteil, dass es somit zu diesem Thema auch keinen “bestehenden Kanon” gibt, jedenfalls finde ich, haben die Autoren das Thema sehr schön bearbeitet und eine dogmatisch gelungene Arbeit abgeliefert.
Es ist korrekt, was die Autoren im Vorwort betonen: Das Medienrecht ist in erster Linie vom innerstaatlichen Recht geprägt. Trotzdem war es offensichtlich kein Problem, nicht nur ein Buch zum Thema zu erstellen, sondern es auch noch mit gut 300 Seiten Text zu versehen – die keineswegs zäh zu lesen sind.
Ich muss gestehen, dass ich etwas überrascht war von den recht lebensnahen Themen – etwa zur Funktionsweise der ICANN. Aber von vorne: Das Buch ist in zwei Teile geteilt:
1.Europäisches Medienrecht
2.Internationales Medienrecht
Im europarechtlichen Bezug geht es um die üblichen Themenkreise (Primärrecht, Sekundärrecht, Wettbewerbsrecht) wobei Primär- und Sekundärrecht sehr stark “am Fall” orientiert ist. Gerade wenn es um die Grundfreiheiten geht. Insgesamt ist es sehr angenehm und durchgängig konkret in der Darstellung, was das Verstehen erheblich erleichtert.
Insgesamt gibt es 54 (kleinere) Fälle, die durchgehend behandelt werden und an denen sich das Buch orientiert. Damit hat man als Leser eine Menge zu tun – ist aber, bei der mitunter abstrakten Materie, dankbar für diese Anzahl und auch die mitunter sehr interessante Auswahl.
Die Autoren haben sich das Buch fair eingeteilt: Ziemlich exakt die jeweilige Hälfte der Seitenzahl geht an das Europarecht und an das internationale Recht. Neben Fragen der Regulation findet man in beiden Kapiteln das Thema Datenschutz und Urheberrecht. Alles in allem bietet das Buch einen guten und überraschend umfassenden Rundumschlag, wobei die Autoren ihrem eigenen Anspruch gerecht werden und eben keine wissenschaftliche Abhandlung erstellt haben, sondern einen Einstieg mit Überblick erarbeitet haben.
Insgesamt ist es jedenfalls eine große Chance, Themenbereiche zu erschließen, die einem sonst nur mühselig zugänglich wären – Themen wie die WTO oder ITU etwa, die man al gehört hat, aber nicht direkt in den passenden Zusammenhang stecken kann. Dabei wissen die Autoren um diesen Umstand und bieten regelmäßige Glossar-Übersichten, die Anfängern ebenfalls helfen werden.
Fazit
Ein sehr gelungenes Buch – für entsprechende Schwerpunkt-Studenten. Wer zum Medienrecht einen Einstieg sucht, liegt hier falsch; Hier wird das Medienrecht auf einer ganz anderen Ebene entwickelt. Wer den Schwerpunkt Medienrecht belegt hat, dem sei das Buch ganz dringend ans Herz gelegt, wenn er nicht gar eine entsprechende Veranstaltung belegen muss.
Ich selbst habe es vollständig gelesen, obwohl dies nicht mein Schwerpunkt-Bereich ist – auch aus dieser Perspektive war es äußerst interessant. man muss als Student aber ehrlich sein und wer das Medienrecht erstmal erlernen möchte, sollte in den Empfehlungen ein passendes Buch suchen.